< „No Water, No Life. No Blue, No Green.“ (Meeresbiologin Dr. Sylvia Earle).
18.10.2019

Mein Jahr ohne neue Kleidung


Jeder kennt es: Ein Jahr geht zu Ende und die Leute um dich herum überlegen, was sie sich für das neue Jahr vornehmen könnten. Nach Silvester versuchen sie sich an ihre Vorsätze zu halten. Die Fitnessstudios quellen in den ersten Monaten des Jahres fast über. Die Raucher nehmen sich vor, nach Mitternacht keine Zigarette mehr in den Mund zu nehmen. Die Fast-Food-Junkies setzen sich das Ziel, sich gesünder zu ernähren. Die Feierwütigen beschließen, weniger Alkohol zu trinken. Wenn man jetzt, im September, die Leute fragen würde, was von ihren Jahresvorsätzen übriggeblieben ist, was würden sie wohl antworten?

 

Mein Vorsatz für 2019 …

Auch ich habe mir schon öfter zu Beginn eines neuen Jahres vorgenommen, mich gesünder zu ernähren oder mehr Sport zu machen. Eingehalten habe ich meine Vorsätze allerdings noch nie. Bis zu diesem Jahr. Zwar sind wir noch nicht am Ende von 2019 angekommen, aber es liegt nur noch das letzte Viertel vor uns. Deshalb freue ich mich sagen zu können, dass ich es bis zum heutigen Tag geschafft habe, mein Jahresvorhaben einzuhalten. Mein Vorsatz lautet: „2019 kaufe ich mir keine neuen Kleidungsstücke!“

Die Idee zu diesem Vorsatz entstand dadurch, dass ich in der Uni eine Hausarbeit zum Thema, wie man nachhaltig mit Kleidung umgehen kann, geschrieben habe. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten: man kann zum Beispiel Kleidung tauschen, sie sich leihen, im Second-Hand-Laden kaufen oder Kleidung von Marken erwerben, die ökologisch und fair produzieren.

 

Warum sollte ich meinen Kleidungskonsum überdenken?

Gründe für einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung gibt es viele. Zunächst ist da der Aspekt der Produktion. Wenn die Baumwolle, die für Kleidung verwendet wird, nicht biologisch angebaut wurde, kann diese stark mit Pestiziden und Insektiziden belastet sein. Auch die Farbe, mit der die Kleidung eingefärbt wird, kann schädliche Stoffe enthalten. Zu diesen ökologischen Aspekten kommen noch Soziale hinzu. Die Arbeitenden auf den Plantagen, die Weberinnen und Näherinnen werden während der Herstellung der Kleidung mit den zuvor genannten schädlichen Stoffen belastet. Außerdem leiden sie unter schlechten Arbeitsbedingungen - wie auch immer wieder in den Medien berichtet wird. Sie müssen viel arbeiten und erhalten dafür einen sehr geringen Lohn.

Hinzu kommt, dass die Kleidung während der Produktion einen weiten Weg um die Welt zurücklegt. Der Weg eines T-Shirts bis zum Verkauf in den deutschen Läden kann beispielsweise folgendermaßen aussehen: Die Baumwolle wird in den USA angebaut, zum Spinnen des Garns und Weben des Stoffes wird diese anschließend nach Indien gebracht. Danach kommt der Stoff zum Färben nach China und im Anschluss wird die Kleidung in Bangladesch genäht. Während dieser Herstellungsschritte werden viele Chemikalien verwendet, die das Wasser verschmutzen und schädlich für die Personen sind, die die Kleidungsstücke herstellen. Zudem ist der Transport via Flugzeug, Schiff sowie Lastwagen nicht umweltfreundlich.

Bis die fertige Kleidung bei uns im Laden und letztendlich im Kleiderschrank hängt, wurde sie mit vielen chemischen Stoffen behandelt, ist durch viele Hände gegangen, hat einen weiten Weg zurückgelegt und wurde während der Transporte um die Welt immer wieder verpackt. Es werden also für jedes Kleidungsstück, das wir besitzen, viele Ressourcen verbraucht, die Umwelt wird mit Schadstoffen belastet und Menschen müssen dafür für einen geringen Lohn und unter schlechten Bedingungen arbeiten.

Aus diesen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, ein Jahr auf neue Kleidung zu verzichten.

 

Mein Zwischenresultat

Zu Beginn des Jahres war ich sehr überzeugt von meinem Vorhaben. Als im Mai allerdings einige Familienfeste anstanden, habe ich angefangen über ein neues Kleidungsstück nachzudenken. Wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, nichts zu kaufen, hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt der erste Anlass für mich bestanden, etwas Neues zu erwerben. Ich stand schon im Laden und hatte einen Rock anprobiert. Er passte nicht. Vielleicht wäre es das Ende meines Kleiderfastens gewesen, wenn er gepasst hätte.

            Nach diesem Ereignis war ich in meinem Willen, meinem Vorsatz für 2019 treu zu bleiben, gefestigter als zuvor. Ich habe einfach beschlossen, nicht mehr über neue Sachen nachzudenken, die ich mir dieses Jahr kaufe. Stattdessen habe ich überlegt, was ich mir 2020 und die Jahre darauf kaufen möchte: Nämlich weniger Kleidung, fair gehandelte und nachhaltig produzierte Kleidung und Kleidungsstücke, die ich wirklich brauche.

In diesem Jahr habe ich Einiges für mich festgestellt: Ich besitze mehr als genug Kleidung. Ich muss mir nicht immer jeden (Kleidungs-)Wunsch erfüllen. Ich kann Kleidung auch leihen, statt sie zu kaufen. Ich möchte mir meines Kleidungskonsums bewusst sein und bewusste Entscheidungen für faire- oder Second-Hand-Kleidung und gegen Fast Fashion treffen. Ich möchte jedes Kleidungsstück wertschätzen, weil Ressourcen dafür verbraucht wurden, Menschen dafür gearbeitet haben und es mich wärmt, schützt und schmückt.

Clara, Praktikantin im UBiZ


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