< Wunderbare Plastikwelt? - Auftaktveranstaltung zum Modellprojekt "VerantwortlIch handeln"
12.10.2019

„No Water, No Life. No Blue, No Green.“ (Meeresbiologin Dr. Sylvia Earle).


Filmplakat "A Plastic Ocean"

Für die Zauscher*innen verdeutlichte der Film bereits oft bekannte Informationen noch einmal sehr deutlich und erschütternd.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Handeln - und zwar jetzt und umfangreich in allen Bereichen!

Es ist der 09.10.2019, ein Mittwoch Abend, und das UBiZ Team richtet mit Unterstützung der Waldorfschule Haßfurt die Technik für die im Modellprojekt „VerantwortlICH handeln“ geplante Filmvorführung ein. Es regnet gerade in Strömen und da für den Film keine Anmeldung erforderlich war, hoffen wir alle noch darauf, dass sich zumindest der/die ein oder andere bei diesem Wetter aufraffen wird, denn die Informationen, die der Film zeigt, solltem jedem/jeder Bürger*in bewusst sein. Am Ende werden es 40 Leute sein, die den Film mit uns zusammen sehen und sehr bestürzt diskutieren.

Kein Film, nachdem man beschwingt nach Hause gehen wird.

Wir zeigen an diesem Abend „Opens external link in new windowA Plastic Ocean“. Ein Team aus Wissenschaftlern, Tauchern und Abenteurern ging über Jahre dem Problem der Plastikverschmutzung in unseren Weltmeeren auf den Grund. Was sie fanden, hörten und erfragen brachten sie in mehr als eindrucksvollen Bildern und Naturaufnahmen, Interviews und Hintergrundinformationen auf die Leinwand.
Es sind keine oder kaum neuen Informationen für die Anwesenden, wie sich im Anschluss bei der Diskussion herausstellte. Aber in der Masse, in der Intensität und Menge bewegen die Bilder alle enorm.

Die Suche nach Blauwalen wird zum Augenöffner

Der Film beginnt mit der Suche der Crew nach Blauwalen. Tagelang versuchen sie, einen Blick auf diese majestätischen Wesen zu erhaschen. Als es schon aussichtslos erscheint, taucht einer dieser Riesen auf, gleitet einige Male durchs Bild, um fast lautlos wieder in den Weiten des Ozeans zu verschwinden. Diese Bilder machen, neben ihrer Schönheit, eines deutlich: Wir sprechen von Weiten, von Dimensionen unserer Weltmeere, in denen selbst eines der größten Tiere unserer Erde über Tage und Wochen unentdeckt bleiben kann. Und wir sprechen davon, dass wir, das Tier Mensch, sogar hier, in diesen Weiten, auf Dauer und ohne Rücksicht unsere Spuren hinterlassen haben. Denn was die Filmmitglieder dabei in deutlich größerer Anzahl und Ausmaß finden ist Müll. Enorme Mengen an Plastikmüll.

Wenn die Crew mit einem U-Boot in die tiefsten Tiefen des Ozeans abtaucht, um dort, in einem der immer noch so unerforschten und geheimnisvollen Lebensräume dieser Erde, ohne große Suche die Spuren des menschlichen Plastikgebrauchs an die Oberfläche zu holen, möchte man verzweifeln. Jeder/Jede von uns kennt die Fotos von an Plastik verstorbenen Albatrossen. Wenn man aber quasi live bei der Sezierung eines Vogels dabei sein kann, direkt sieht, wie die zum Teil riesigen Plastikteile den kompletten Magen ausfüllen und von einer Biologin entnommen und aufgereiht werden, tut das im tiefsten Herzen weh. Wenn man Kinder beobachten kann  - oder eher muss – die auf zentimeterdicken Müllschichten leben müssen und für die Müll so selbstverständlich zu ihrem Leben gehört, dass sie den Gestank nicht mehr wahrnehmen und der Plastikunrat eben nur die Möglichkeit zum Bau von Spielzeug darstellt,  kann man es eigentlich kaum fassen.

Es herrschen nach wie vor falsche Vorstellungen vom Plastik in unseren Meeren

Hinter dem Film steht die die „Opens external link in new windowPlastic Oceans Ltd.“, eine in Hong Kong ansässige Umweltschutzorganisation mit speziellem Fokus auf Plastik und Meere. Bemerkenswert am Film sind aber auch die Informationen zur Entstehung, die man zum Teil im Internet nachlesen kann. So fuhr die Crew zum Beispiel los im Glauben, an bestimmten Orten im Meer die sogenannten „garbage patches“ zu finden, der bekannteste unter ihnen der "Opens external link in new windowGreat Pacific Garbage Patch". Diese gibt es zwar, allerdings nicht in der Form, in der sich das Filmteam und auch immer noch viele Menschen diese vorstellten und vorstellen: als riesige schwimmende Plastikinseln. Dies Müllstrudel sind zwar eine Ansammlung von Müll, entstanden durch Wind und Meeresströmungen in Küstennähe, aber der Müll, ein Großteil davon Plastikmüll, bleibt eben nicht auf der Meeresoberfläche. Die Teile sinken ab, werden durch Natureinwirkung immer weiter zerkleinert und befinden sich so mittlerweile quasi in allen Bereichen der Meere, von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Das heißt auch: das Meer zu säubern ist eigentlich kaum mehr möglich.
Somit lernte auch die Crew während des Films und ihre Fragen an Bewohner*innen, Experten*innen und Selbstversuche in der Gastronomie ergänzen die eindrucksvollen Bildaufnahmen.

Nein, auch eine Papiertüte oder deutsches Recycling ist nicht die Lösung

Es gibt einige Punkte, an denen man kurz zusammenzucken mag. Wenn beim Experiment „Essen kaufen ohne Plastikverpackung“ die alternative Papierverpackung als uneingeschränkt gut dargestellt wird, sollte man es mittlerweile besser wissen. Für die Umwelt ist eine fertig produzierte Papiertüte weit weniger schädlich, sollte sie dort landen, als Plastik. Für uns werden darüber in der Regel weniger Giftstoffe an eingepackte Lebensmittel etc. abgegeben, die wir dann mitessen. Aber in ihrer Opens external link in new windowÖkobilanz steht die Papiertüte ebenfalls schlecht da, die Herstellung ist für die Umwelt mit großen Nachteilen verbunden. Was also wäre die wirklich bessere Alternative? Richtig. Die selbst mitgebrachte Box – und am besten auch gleich noch das eigene Besteckt dazu.
Wenn dann das Recycling-System der Deutschen als wunderbare Lösung und Vorbild dargestellt wird, meinte man kurz, man sei im wahrsten Sinne des Wortes im „falschen Film“. Denn wir sprechen hier nicht von einer Lösung des Problems. Wir sprechen hier vom absoluten Minimum, was der Mensch tun muss, wenn er den Müll zuvor produziert, verkauft und konsumiert hat. Dass zum einen auch hier nicht alles das Gelbe vom Ei ist, dass auch wir Deutschen streckenweise sehr recyclingfaul geworden sind und dass wir mehr Müll produzieren, als bei uns selbst wirklich wiederverwertet werden kann und wir über Jahre Müll zum Beispiel nach China verkauft haben, wird nicht erwähnt.
Aber auch aus diesen Stellen lassen sich Stärken machen – wenn man diese in einer anschließenden Diskussion aufgreift oder beispielsweise Schüler*innen kritisch hinterfragen lässt.

Wer sucht und sucht und sucht, der findet...

Das Vorführen des Films war mit einigen Schwierigkeiten verbunden. 2016 fertig gestellt suchte der Film vergeblich nach einem internationalen Filmverleih. Unsere Versuche, den Film zu bekommen, blieben tatsächlich mehrere Monate ergebnislos, bis wir schließlich einfach auf gut gück bei„Opens external link in new windowFilme für die Erde“ anfragten. Und siehe da: Die Organisation weiß um die Schwierigkeiten, hat den Film mittlerweile gekauft und stellt ihn, inklusive Informationsmaterial, gegen eine Spende für öffentliche Vorführungen zu Verfügung. Für die private Nutzung ist der Film mittlerweile auch auf Netflix verfügbar.

 

40 sehr betroffene Menschen haben an diesem Abend die Aula der Waldorfschule verlassen. Wir hoffen, dass 40 Menschen heute noch einmal anders leben, einkaufen, diskutieren und wo immer möglich auch ungemütlich werden.


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