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13.01.2020

Plastikfrei reisen - geht das?


Urlaub. Für viele Menschen das Highlight des Jahres. Endlich Abstand von alltäglichen Dingen und Themen nehmen und die wohlverdiente Auszeit genießen. Wenn man sich so manchen Urlaubsort anschaut, könnte man vermuten, dass Urlaub oft nicht nur Abstand vom Alltag, sondern auch von Manieren, bedeutet. An vielen Urlaubsorten lässt sich heute die einstige Naturschönheit aufgrund von Plastikmüll nur noch erahnen. Oftmals sind Touristen für diese Verschmutzung und Zerstörung durch Plastik verantwortlich, weil diese aus Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit ihre Abfälle einfach in der Natur zurücklassen. Für zukünftige Besucher ist der Urlaubsort dann nur noch beschränkt genießbar oder überhaupt nicht mehr zugänglich, wie beispielsweise die Sperrung der beliebten Maya Bay in Thailand für Touristen zeigt.

Selbst der Mount Everest bleibt von dieser Problematik nicht verschont. Neben Overtourism hat der Berg vor allem ein Problem: Müll. Und der nimmt mittlerweile ein derartiges Maß an, dass sich am Ende der Saison ein großes Helferteam aufmacht, um der höchsten Müllhalde der Welt den Kampf anzusagen. Allein 2018 haben die Müllsammler fast 10 Tonnen Müll – darunter auch viel Plastikmüll – vom Berg geholt. Bergsteiger müssen deshalb eine Müllsammelgebühr von 1.500 Dollar bezahlen und sind dazu aufgefordert ebenfalls Müll vom höchsten Dach der Welt herunterzubringen.

Vor der Reise – Vorbereitung ist alles!

Dabei kann plastikfreies Reisen so einfach sein: Bereits im Alltag integrierte Gegenstände und Verhaltensweisen zur Plastik(-müll)vermeidung wie die plastikfreie Mehrwegflasche und Brotzeitbox, feste Kosmetikprodukte, eine Stofftasche für den Einkauf oder Campingbesteck-Set usw. können für die Reise ohne weiteren Aufwand übernommen und eingepackt werden. Hilfreiche Tipps dazu und über sogenannte „Allrounder“ für die Reise, welche während der Reise als praktische Hilfsmittel verwendet werden können, sind beispielsweise online Opens external link in new windowauf den Seiten des BUND zu finden. Einfach während der Reiseplanungen Gedanken darüber machen und die relevanten Sachen auf die Packliste schreiben. Kurz vor der Reise müssen diese dann nur noch in den Koffer gelegt werden.

Mit guter Vorbereitung lässt sich also viel Plastik während der Reise vermeiden – nicht nur durch das Mitnehmen von plastikfreien Alternativen. Denn, wer seine Reise im Vorfeld gut plant, kann dadurch vermeiden, dass am Urlaubsort zum Beispiel erstmal ein neuer Bikini gekauft werden muss, weil dieser leider zuhause vergessen wurde. Gut vorbereitet sein geht aber weit über den Kofferinhalt hinaus. Wer sich im Voraus über Verleih- und Ausleihmöglichkeiten sowie Tauschangeboten am Urlaubsort informiert, kann hier unnötige Einkäufe vermeiden und somit oft auch (Plastik-)Müll einsparen. Übrigens gibt es auch Anbieter, die nachhaltige und umweltschonende Reisen anbieten. Hierzu gehört beispielsweise Opens external link in new windowFair Away, Opens external link in new windowBook it Green oder der Opens external link in new windowBUND.

Während der Reise – Plastikfreies Fliegen
Dass Fliegen aus Umwelt- und Klimaschutzgründen vermieden werden sollte, ist mittlerweile wohl jedem bekannt. Wird das Flugzeug doch genutzt – aus welchen Beweggründen auch immer – lässt sich auch hier Plastik vermeiden. Dass diese Maßnahmen auch dringend notwendig sind, verdeutlich die Hochrechnung der IATA (International Air Transport Association): Eine Flugreise erzeugt durchschnittlich pro Flug 1,4 Kilogramm Müll. Das sind weltweit hochgerechnet 5,8 Millionen Tonnen Müll bei mehr als vier Milliarden Flugpassagieren im Jahr. Das würde einem Gewicht von 140.000 Boeing 737-Jets entsprechen.

Der zunehmenden Plastifizierung des Kabinenmülls kann durch das Mitbringen des eigenen Bechers für Kaffee oder Tee oder der eigenen Trinkflasche entgegengesteuert werden. Ebenfalls kann man bei vielen Airlines bei der Buchung des Fluges das Essen abbestellen und dieses stattdessen in der eigenen Brotzeitbox selbst mitbringen. Wichtig ist dabei lediglich, dass die Gegenstände so beschaffen sind, dass sie durch die Sicherheitskontrolle gehen – also nichts aus Glas, Holzbesteck und die Trinkflasche leer (kann hinterher wieder aufgefüllt werden). Bei Langstreckenflügen sind neben dem Essen vor allem Einweg-Kopfhörer, Einweg-Decke und -Kissen, sowie Hygieneartikel in Plastik verpackt. Nicht benötigt werden diese, wenn man auch hier seine eigenen Sachen wie Holzzahnbürste, Kopfhörer oder ein eigenes kleines Kissen dabei hat.

Am Urlaubsort – Plastikfrei die Sonne genießen
Am Urlaubsort angekommen lassen sich die freien Tage durch die gute Vorbereitung ohne schlechtes Gewissen genießen. Was aber wenn der Strand schon voller (Plastik-)Müll ist? Für die Motivierten, die auch etwas Action während ihrem Urlaub benötigen, gibt es in vielen Ländern sogenannte Beach CleanUps, bei der eine Gruppe Freiwilliger durch große Aufräumaktionen den Strand „aufräumen“. Vorreiter in nachhaltigem Tourismus inklusive regelmäßigen Aufräumaktionen am Strand ist beispielsweise Costa Rica, aber auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Projekte. Ist dies nicht der Fall, einfach mal mit ein paar Leuten eine eigene Aktion starten!

Egal wie sehr wir uns wünschen, während der Reise Abstand von alltäglichen Dingen und Themen zu nehmen: Von der Müll- und speziell der Plastikproblematik können wir keinen Urlaub machen. Denn selbst wer denkt, dass umweltbewusstes und nachhaltiges Verhalten und Handeln für einige Tage vernachlässigt werden können, der wird spätestens beim Anblick des Plastikmülls am Urlaubsort eines Besseren belehrt. Und ganz ehrlich: Am Strand die Sonne genießen fühlt sich doch viel besser an, wenn dieser sauber ist und man seinen eigenen Teil dazu beigetragen hat – egal ob direkt oder indirekt.

Irina Schlöser, Praktikantin im UBiZ 2019


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