Kursangebote
Detailansicht

Der Weltacker: Wie 2.000m² Ackerfläche den globalen Flächenverbrauch aufzeigen |   Blog

In Zeiten des Klimawandels und der wachsenden globalen Bevölkerung gewinnt das Thema nachhaltige Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Der "Weltacker 2.000m²" ist ein Projekt, das uns auf interaktive Weise zeigt, wie viel Ackerfläche wir theoretisch zur Verfügung haben und wie wir diese Fläche effizient und nachhaltig nutzen können.

 

Was haben 2.000m² mit unserer Ernährung zu tun? 

Eine ganze Menge! Denn so viel Ackerfläche stünde jedem Menschen theoretisch zur Verfügung, wenn man die weltweit vorhandene Ackerfläche gerecht auf alle Menschen aufteilen würde - unabhängig davon, ob jemand in Indien, Deutschland oder China lebt. Auf diesen 2.000m² müsste alles wachsen, was wir zum Leben brauchen: Nahrungsmittel, Futtermittel für die Tiere, Pflanzen für Kleidung und sogar Rohstoffe für Treibstoffe: Diese Fläche muss also für alles reichen, was wir direkt oder indirekt konsumieren.

Doch in der Realität ist die Verteilung sehr ungleich. Ein durchschnittlicher EU - Bürger beansprucht fast 3.000m² Ackerfläche pro Jahr - also deutlich mehr als der Anteil, der ihm theoretisch zusteht. Gleichzeitig kommen viele Menschen im Globalen Süden mit wesentlich weniger Fläche aus. Und das, obwohl dort ein erheblicher Teil der Landwirtschaft auf den Export in den globalen Norden ausgerichtet ist. Mit anderen Worten: Während wir über unseren Anteil hinaus konsumieren, produzieren andere für unseren Bedarf - oft auf Kosten ihrer eigenen Ressourcen. 

Der Wert von 2.000m² ist also ein globaler Durchschnitt, der nur dann für alle funktioniert, wenn einige nicht dauerhaft mehr verbrauchen als ihnen zusteht. Genau darauf macht das Bildungsprojekt "Weltacker" aufmerksam. Mit seiner einfachen aber eindrücklichen Idee macht es globale Zusammenhänge sichtbar. Entstanden ist das Konzept in Berlin, wo auf dem "Weltacker Berlin" anschaulich gezeigt wird, wie unsere Ernährung, unser Konsum und unser Umgang mit Ressourcen die Welt beeinflussen. 

Der neue Weltacker wächst in Bamberg

Auch Bamberg bekommt seinen eigenen Weltacker! Auf einem Feld in der Bamberger Südflur entsteht derzeit ein neues Bildungsprojekt, das direkt vor Ort globale Zusammenhänge rund um Ernährung, Konsum und Flächennutzung sichtbar macht.

Die Eröffnung des Bamberger Weltackers ist für den 22. Juni 2025 geplant – mit einem vielfältigen Programm, Führungen und Mitmachaktionen für Groß und Klein. Bis dahin wird die Fläche so gestaltet, dass sie exemplarisch zeigt, wie unser täglicher Konsum – vom Frühstück bis zur Jeans – Ackerfläche beansprucht und welche Herausforderungen damit verbunden sind.  

Was den Bamberger Weltacker besonders macht: Neben der klassischen Ackerfläche entsteht hier auch ein Ackeratelier – ein kreativer Raum für Bildungsangebote, Workshops, Kunstaktionen und gemeinsames Lernen. Ob Schulklassen, Familien, Hobbygärtner*innen oder einfach Neugierige: Alle sind eingeladen, sich mit Themen wie nachhaltiger Landwirtschaft, globaler Gerechtigkeit und Ernährung auseinanderzusetzen. Für Schulklassen werden zum Beispiel Ackerrallyes und thematische Workshops angeboten. Hobbygärtner*innen können sich in Gärtnerkursen weiterbilden. Außerdem gibt es Führungen, Kunstateliers oder Kochkurse.

Wer schon jetzt selbst mit anpacken möchte ist herzlich willkommen! Jeden Dienstag ab 17:30 Uhr gibt es die Möglichkeit, beim gemeinschaftlichen Gärtnern mitzumachen. Das gemeinsame Arbeiten auf dem Acker macht Spaß, hält fit und hilft dem Weltacker beim Wachsen und Gedeihen. Eine fachkundige Anleitung ist dabei immer vor Ort, gegärtnert wird immer etwa zwei Stunden. Danach klingt der Abend gemütlich aus – wer mag bringt einfach eine Brotzeit und etwas zu trinken mit.

Neben dem neuen Standort in Bamberg gibt es in Bayern bereits zwei weitere Weltäcker, nämlich in Nürnberg und Landshut. Doch kein Weltacker gleicht dem anderen. Jeder wird individuell gestaltet und spiegelt die regionalen Gegebenheiten sowie die Besonderheiten wider. Gleichzeitig ist der Bamberger Weltacker Teil eines internationalen Netzwerks. Weltäcker gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten – zum Beispiel in der Schweiz, Indien und Äthiopien.

Die Entstehung des neuen Standorts in Bamberg zeigt, wie relevant die Themen nachhaltige Ernährung, globale Gerechtigkeit und verantwortungsvoller Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen geworden ist – sowohl lokal als auch global.

Warum schrumpft unsere Ackerfläche?

Ein spannender Aspekt, den der Weltacker sichtbar macht: Die globale Ackerfläche pro Person wird immer kleiner. Während wir Anfang der 1960er Jahre im Schnitt noch etwa 4.000m² zur Verfügung hatten, sind es heute nur noch rund 2.000m² - Tendenz sinkend. Aber warum ist das so?

  • Bevölkerungswachstum: Immer mehr Menschen teilen sich dieselbe Fläche. 1960 lebten etwa 3 Milliarden Menschen auf der Erde – heute sind es über 8 Milliarden. Das bedeutet, fast dreimal so viele Menschen müssen sich dieselbe Ackerfläche teilen.
  • Flächenverlust: Fruchtbares Ackerland geht durch Bodenerosion, Versiegelung, Klimawandel und Übernutzung verloren.
  • Flächenkonkurrenz: Ackerflächen werden nicht nur für Nahrungsmittel genutzt, sondern auch für Tierfutter, Agrosprit, Baumwolle oder Exportkulturen wie Kaffee, Soja oder Avocados.

Das führt zu einem immer stärkeren Druck auf Böden, Ressourcen und Ökosysteme. Der Weltacker zeigt diese komplexen Zusammenhänge auf verständliche Weise und macht klar, dass unser Konsumverhalten direkten Einfluss auf die globale Flächenverteilung hat.

Fleisch frisst Fläche – warum weniger mehr ist

Ein besonders großer „Flächenfresser“ auf dem Weltacker ist Fleisch. Für die Produktion von 1kg Rindfleisch braucht man bis zu 15kg Futter – das bedeutet enorm viel Fläche, Wasser und Energie. Kein Wunder also, dass tierische Produkte überproportional viel Ackerfläche beanspruchen.

Die gute Nachricht: In Deutschland sinkt der Fleischkonsum seit Jahren. 2023 lag er laut Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung auf einem historischen Tiefstand. Immer mehr Menschen entdecken vegetarische Ernährung – aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen. Weniger Fleisch zu essen ist also nicht nur gut für das Klima und die eigene Gesundheit, sondern auch ein echter Flächengewinn.

Workshops und Fortbildungen

Ab dem Schuljahr 2025/2026 wird im UBiZ der Workshop „Weltacker 2Go“ für Schulen buchbar sein. Der interaktive Workshop richtet sich an alle Schüler*innen ab der 5. Klasse und findet direkt im Klassenzimmer statt. In drei Schulstunden wird die globale Landwirtschaft genauer unter die Lupe genommen. Die Schüler*innen lernen, die globale Landwirtschaft und die Herausforderungen von Produktion und gesunder Ernährung zu verstehen. Anhand eines „Flächenbuffets“ vergleichen sie, wie viel Ackerfläche verschiedene Lebensmittel und Gerichte beanspruchen. Sie setzten sich mit dem CO2-Ausstoß der Lebensmittelproduktion auseinander und lernen, welche Faktoren diesen beeinflussen. Zudem beschäftigen sich die Schüler*innen mit der Problematik der Lebensmittelverschwendung: Wie viel wird weggeschmissen? Warum? Und was können wir dagegen tun?

Außerdem wird im Herbst im UBiZ eine spannende Multiplikator*innen – Schulung zum Thema „Weltacker“ stattfinden. Der genaue Termin steht zwar noch nicht fest, aber Interessierte können sich diese Fortbildung schon jetzt vormerken und sich gerne frühzeitig mit dem UBiZ in Verbindung setzten, um mehr zu erfahren.

Nicht vergessen!

Die Eröffnung des Bamberger Weltackers findet am 22. Juni 2025 statt - ein großartiger Anlass das Konzept vor Ort zu erleben und sich über die Welt, unsere Ernährung sowie die Möglichkeiten nachhaltiger Landwirtschaft zu informieren. Wer Interesse oder Fragen  an rund um das Thema  Weltacker hat, oder den Weltacker bereits vor der Eröffnung aktiv mitgestalten möchte, kann sich jederzeit bei info@weltacker-bamberg.de melden. 

Weltacker Berlin mit blühenden Pflanzenparzellen an einem sonnigen Tag.

Auf dem braunen, leeren Acker des Weltackers Bamberg werden Ackerbohnen ausgesät.

Zurück

UmweltBildungsZentrum Oberschleichach

Pfarrer-Baumann-Straße 17 | 97514 Oberaurach
Tel: 09529.9222-0
Fax: 09529.9222-50
E-Mail: info@ubiz.de

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag von 08:30 bis 12:00 Uhr
und 13:00 bis 16:00 Uhr
Freitag von 08:30 bis 12:00 Uhr