Jetzt mal ehrlich, was spricht dagegen, einen Kaffee im Sitzen und in aller Ruhe zu genießen? Die drei Minuten habe ich doch alleine eingespart, wenn ich mich nach meinem Kaffeegenuss nicht umziehen muss, weil ich mir, wie immer, mit dem Kaffee-to-Becher das T-Shirt ruiniert habe.
Nach geschätzten 8.000 Esspressi an Südtiroler Bars habe ich tatsächlich verlernt, den Kaffee in großen Bechern und großer Menge zu trinken, und das am besten auch noch irgendwo zwischendurch. Aber leider ist der Mensch ein Gewohnheitstier und es geht ganz schnell wieder wieder an die deutsche Kaffeekultur, wobei ein Italiener das sicher nicht als Kultur bezeichnen würde.
Aber jetzt zum eigentlichen Übeltäter, dem Kaffee-to-go-Becher:
Alleine in Bayern werden Stündlich rund 320.000 Einwegbecher nach 15 Minuten Nutzung nicht mehr gebraucht. Ein großer Teil landet direkt im Abfall, ein anderer Teil geht seinen Weg über Parkwiese, Straßenrand oder Gleisbett.
Das heißt, die Becher müssen hergestellt werden, meist aus beschichtetem Papier. Es müssen Bäume gefällt werden, die zum Becher verarbeitet werden, und dass dann der Becher auch dicht ist, muss er noch aufwändig beschichtet werden. Zigtausend Liter gehen so für unser aller Wegwerf-Becher drauf. Und um die T-Shirt-Missgeschicke zu vermeiden oder auch, dass der Kaffee nicht so schnell kalt wird, muss noch der Kunststoffdeckel oben drauf, der kurz gesagt, kaum etwas bringt.
Doch was soll man tun, wenn man keine Zeit für einen guten Kaffee hat? Die Lösung liegt so nahe:
Seinen eigenen Becher mitbringen, auffüllen lassen, zuhause spülen, dann wieder mitnehmen und abermals auffüllen lassen, und das so lange das machen, bis man keine Lust mehr auf Kaffee hat, oder der Becher dann doch leider mal bricht.
Inzwischen gibt es so viele schöne Mehrweg-Kaffee-to-go-Becher, egal ob aus Glas, Keramik, Bambusfaser, Kunststoff, Edelstahl, oder, oder, oder. In jedem Fall ist es aber wichtig, dass der Becher auch oft genutzt wird, sonst sieht die Klimabilanz für den Mehrwegbecher schlecht aus.
Kommen wir zu einem weiteren Problem: Wir stehen mit Becher in der Hand im Kaffee und bitten um einen Kaffee-to-go in unserem Becher. Was kann passieren? Im besten Fall bekommt man ein freundliches Lächeln und der Kaffeebecher wird gefüllt. In einem anderen guten Fall wird der Kaffee in eine Tasse gefüllt und man bekommt die Tasse und kann sie in den eigenen Becher umfüllen.
Eine eher ungünstige Variante ist der Kaffee im Wegwerf-Becher, den man sich dann in den eigenen Becher füllen soll. An dieser Stelle empfehle ich immer den Hinweis, dass man sich das so nicht vorgestellt hat, und ob man beim nächsten Mal doch bitte die Tasse für die Kaffeeübergabe nutzen könnte.
Jetzt gibt es aber auch noch den Fall, dass man von der netten Bedienung zu hören bekommt, dass sie den Kaffee nicht in den anderen Becher füllen darf, was dann?
Dann gibt es vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in Bayern ein Hinweisblatt zum „Hygienischen Befüllen mitgebrachter kundeneigener Behältnisse“. https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/abfallvermeidung/verpackungsfreier_einkauf/doc/merkblatt_hygiene_behaeltnisse.pdf
Das besagt:
Wir als Kunden sind selbstverantwortlich für den Deckel, die vorherige Reinigung und dass das Behältnis auch zum gewünschten Inhalt passt.
Und auch für das Lebensmittelunternehmen gibt es Voraussetzungen, die eingehalten werden müssen. Aber das steht alles darin, unter anderem auch, dass das Lebensmittelunternehmen den Ablauf des Befüllens von kundeneigenen Behältern durchdacht sein muss.
https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/wiederverwendung/coffee_to_go_mehrweg/index.htm
Kurze Anmerkung am Ende: Beim Kaffee kann man noch viel mehr richtigmachen, als einfach nur einen Mehrweg-Becher zu nutzen: FairTrade- und Bio-Zertifizierter Kaffee kann das schlechte Gewissen ein bisschen besser machen.
