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Philosophieren über Plastik? Mit Schüler*innen? Geht das? |   Blog

spoiler alert! Ja, es geht sogar wunderbar!

Philosophieren - nur für Experten oder den Philosophen im Elfenbeinturm?

Denken wir an Philosophie, Philosophen oder Philosophische Fragen sehen wir vor unserem geistigen Auge erwachsene Menschen, die sich, allein vor sich hingrübelnd, mit den wichtigen Fragen des Menschseins beschäftigen, um am Ende darüber hochkomplexe, kompliziert anmutende Texte zu verfassen, mit denen sich dann Philosophie-Studenten wiederum in langatmigen Hausarbeiten auseinandersetzen müssen...

Naaa, vermutlich trifft dieses Bild sogar etwas die Wahrheit. Einen Teil der Wahrheit. Einen Teil der vielen Teilen der Wahrheit... Und DA sind wir schon beim Kern des Philosophierens!

Philosophieren ist eigentlich wie Atmen

Tatsächlich ist Philosophieren eigentlich nichts anderes als: sich Gedanken machen zu grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins. Und tatsächlich kommen wir mit diesem Bedürfnis des Fragenstellens auf die Welt. 

"Woher kommen wir?" "Wohin gehen wir?" "Woher kommt die Welt?" "Wieso, weshalb, warum?" Wer stellt diese Fragen mit der größten Selbstverständlichkeit? Genau! Kinder! Philosophie ist als nichts (oder nicht nur) für den Elfenbeinturm. Es ist für jede*n, der sich diese Fragen stellt  - und auch eine Antwort darauf finden möchte. Auch wenn man auf dem Weg feststellt, dass es auf diese Fragen eben nicht "DIE" eine Antwort geben kann. 

Philosophieren können wir Menschen also, sobald wir unsere Gedanken ausdrücke können  - und sollten am besten bis zum Lebensende nicht mehr damit aufhören.

 

Die Frage des Plastikkonsums - Philosophisch? Was macht eine philosophische Frage aus?

Nehmen wir nun das Thema Plastik wie in unserem aktuellen Modellprojekt "VerantwortlICH handlen". 

Würden wir fragen: "Wie viel Plastik konsumieren wir Menschen?", dann wäre das keine philosophische Frage. Wir könnten recherchieren und würden zumindest Schätzungen und Zahlen finden können. Wir hätten EINE Antwort (okay, die Zahlen würden differieren. Aber die Antwort wäre immer eine Zahl mit einer Mengenangabe). Würden wir fragen: "Warum konsumieren so viel Plastik?" könnten wir darauf immer noch rational sehr eindeutige Antworten finden. Plastik ist sehr billig, sowohl für Hersteller als auch Konsument. Plastik lässt ich in verschiedenen Zusammensetzungen in praktisch jede Form bringen, ist hart, ausdauernd oder auch biegsam und leicht, je nachdem, wie wir es haben wollen. Und so weiter.

Würden wir aber fragen: "Warum fällt es mir schwer, Dinge zu ändern?" (zum Beispiel also mein Einkaufsverhalten, etc.) befinden wir uns bereits auf einem anderen Weg. Denn meine Gedanken dazu können sich von den Gedanken meines Gegenübers deutlich unterscheiden. Und meine Gedanken dazu heute können morgen durchaus anders aussehen. So könnten wir uns zum Beispiel auch fragen "Bin ich für die Umwelt verantwortlich?" oder "Welche Verantwortung haben Produzenten/Konsumenten für unsere Umwelt?"

Zusammen oder alleine - wie philosophieren? 

Jeder von uns kann sich zu solchen Fragen natürlich eigene Gedanken machen. "Sophies Welt" (Jostein Gaarder) hat es uns gezeigt: der richtige Impuls zur richtigen Zeit  - und schon sprudeln die Gedanken los.

Doch ein weiterer Punkt beim Philosophieren ist: Lausche ich den Gedanken einer anderen Person, die sich über die gleiche Frage wie ich Gedanken macht, löst dies auch bei mir wiederum ein Überdenken der meinigen aus. Sie wandern in Richtungen, die ich selbst alleine nicht eingeschlagen hätte. Sie unterstützen oder sie inspierieren. Sie lassen mich weitergrübeln oder überdenken. Und vor allem - sie machen mir deutlich, dass es auf diese Fragen nicht EINE Antwort geben kann. Ihr kennt alle den Kalenderspruchsatz: Der Kopf ist rund, damit die Gedanken ihre Richtung ändern können. Hier passt er wie Faust auf Auge. Oder Gedanke in Kopf. Oder das Runde ins Eckige... Halt, jetzt schweifen wir gerade philosophisch ab...

Eine sehr schönes Sinnbild ist folgende Geschichte, die sicherlich vielen bereits bekannt ist:

Die blinden Männer und der Elefant

Philosophieren mit Schüler*innen - zuhören lernen

So wurde also auch mit den Schüler*innen der Waldorfschule Haßfurt während einem unserer Besuche innerhalb des Modellprojekts 2019 philosophiert. Die Frage? "Ist der Mensch (noch) Teil der Natur?" Zu welchen Ergebnissen die Schüler*innen kamen bleibt hier unerwähnt. Was in einer solchen Runde preisgegeben wird, bleibt in der Runde. Aber gesagt werden kann: die Gedanken gingen in viele verschiedenen Richtungen, von Aborigines bis Plastikmassen im Meer. 

Das Besondere bei solchen Runden ist aber immer eines: bereits nach kurzer Zeit stellt man fest, dass sich die Teilnehmenden zuhören. Und zwar anders, als sie dies in anderen Gesprächen oder gar Diskussionsrunden tun. Oder hier eher: oft nicht tun. Denn es geht nicht darum, Argumente zu widerlegen. Es geht darum, offen zu werden für die Gedanken der anderen. 

Solltet ihr Fragen haben zum Thema "Philosophieren" oder besonders zum Thema "Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen" oder mal eine Philosophische Runde ausprobieren wollen, meldet Euch gerne bei uns im UBiZ!

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_blinden_Männer_und_der_Elefant

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