- Wie steht es um die Getreidevielfalt in der Ernährung und auf den deutschen Äckern?
- Warum ist Vielfalt wichtig?
- Welche Getreidearten kennst und isst Du?
Wenige Getreidearten dominieren den Lebens- und Futtermittelbereich
Getreide spielt eine zentrale Rolle in unserer Ernährung und ist seit Jahrtausenden eines der wichtigsten Basislebensmittel. Grund dafür sind unter anderem ein hoher Nährwert und gute Lagerfähigkeit. Die deutsche Landwirtschaft ist stark vom Getreideanbau geprägt. Auf rund einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird Getreide kultiviert. Auch wenn es weltweit deutlich mehr Arten und Untergattungen an Getreide gibt, werden nur wenige Hauptarten intensiv landwirtschaftlich genutzt.
Für den hiesigen menschlichen Verzehr werden vor allem folgende Nahrungsgetreide verwendet:
- Weizen: Die Getreideart stellt mit einem Anteil von rund 85 % das wichtigste Nahrungsgetreide dar. Unterschieden wird zwischen Weich- und Hartweizen. Weichweizen, das in Deutschland vor allem angebaut wird, wird zum Backen von Backwaren verwendet, während Hartweizen zur Herstellung von Nudeln, Bulgur oder Couscous dient.
- Gerste: Das einjährige Gras folgt auf Rang der am häufigsten angebauten Getreidearten in Deutschland. Gerste wird beispielsweise als Braugerste verwendet.
- Roggen: Das dunkle, herzhaft schmeckende Getreide spielt in der Brotkultur eine bedeutende Rolle.
- Mais: Wird gerne als ganzes Korn gegessen, aber auch oft zu Cornflakes, Tortillas, Popcorn und Co. weiterverarbeitet.
- Hafer: Rohhafer wird seit Jahrhunderten gereinigt, gedämpft und anschließend getrocknet, um als Haferflocken verzehrt werden zu können.
Auch wenn viele Menschen in Bezug auf Getreide zunächst an Brot und Nudeln denken, wird der Großteil des verfügbaren Getreides in Deutschland als Futtermittel verwendet, dass nur indirekt der menschlichen Ernährung dient. Nur rund ein Fünftel des Getreideverbrauchs entfällt auf die oben angesprochene direkte menschliche Ernährung. Auch zur energetischen Nutzung in Form von Biokraftstoffen wird etwa ein Zehntel des Getreide verwendet.
Vielfalt für mehr Nachhaltigkeit
Es zeigt sich, dass im Supermarkt (und Kraftfutterhandel) meist nur ein Bruchteil der potenziell anbaubaren Getreidearten bzw. -sorten angeboten wird. Dadurch verarmt die genetische Vielfalt, im Anbau werden Monokulturen begünstigt. Die Folgen sind bekannt: Das Risiko der Ernteausfälle durch Krankheits- oder Schädlingsbefall steigt, während die Bodenfruchtbarkeit, die Ertragssicherheit für Landwirt*innen und die Ernährungssicherheit für Konsument*innen sinken.
Daher ist es aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Gründen, sprich der Nachhaltigkeit, wichtig und sinnvoll, auf ein breites Spektrum an Getreide zu setzen. Vornehmlich im ökologischen Landbau erleben fast vergessene Getreidearten wie Dinkel, Einkorn, und Emmer, die nun kurz vorgestellt werden, eine kleine Renaissance:
- Dinkel: Die beliebte Getreideart ist eine Urform des modernen Weizens und gekennzeichnet ein nussiges Aroma und eine hohe Dichte an Mineralstoffen sowie Vitaminen. Dinkel lässt sich nahezu in allen Rezepten 1:1 wie Weizen verwenden.
- Grünkern: Auch als Grünkorn bezeichnet, werden alte, robuste Dinkelsorten halbreif (grün) geerntet und anschließend künstlich getrocknet. Dadurch erhält das Korn sein typisch rauchig-nussiges Aroma. Grünkern ist vielseitig einsetzbar und kann in Suppen, Füllungen oder Bratlingen eingesetzt werden.
- Einkorn und Emmer: Beide weisen ähnliche Eigenschaften wie Dinkel auf und stammen ebenfalls vom wilden Weizen ab. Sie gehören zu den ältesten Getreidearten. Da sie geringere Erträge als die neueren Kulturformen liefern, wurden sie von Dinkel und Weizen fast vollständig verdrängt. Allerdings eigenen sich beide Arten sehr gut für den Bio-Anbau. Aufgrund einer festen Hülle um die Körner sind sie gut vor Schädlingen geschützt und lassen sich dadurch gut ohne Pestizideinsatz kultivieren.
Übrigens: Während Getreide-Arten natürlich vorkommen und von dem Menschen nach Zusammengehörigkeit unterteilt wurden, bezeichnet der Begriff „Sorte“ eine vom Menschen geschaffene Zuchtform. Aus einer Getreideart lassen sich daher verschiedene neue Sorten züchten.
Vielfalt im Kopf
Die Getreidevielfalt auf den Feldern hat insgesamt einen maßgeblichen Einfluss auf die Vielfalt auf unserem Teller aber auch umgekehrt. Was auf unserem Teller landet, entscheidet zum Großteil der Kopf. Lebensmittel kaufen wir meist habitualisiert und mit geringem Entscheidungsaufwand. Dadurch wird oft das gleiche Produkt wie beim letzten Mal gekauft. Was uns auf der einen Seite entlastet, lässt wenig Spielraum, um spannende neue Lebensmittel bzw. Getreidesorten auszuprobieren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, die gesamte Lebensmittelvielfalt zu nutzen und abwechslungsreich zu essen, um das Risiko einer einseitigen, nicht-bedarfsdeckenden Ernährung zu verringern. Bei Getreideprodukten, die zusammen mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen die Basis einer gesunden und ökologisch nachhaltigen Ernährung bilden, sind Vollkornprodukte die beste Wahl. Sie sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe sowie Ballaststoffe als Weißmehl.
- Wie viele verschiedene Getreidearten oder -sorten stehen regelmäßig auf Deinem Speiseplan?
- Wie oft verzehrst Du dabei Vollkornprodukte?
- Welche Getreidearten oder -sorten hast Du noch nicht probiert?
Schau Dich gerne in Deiner Region um, ob Du bei örtlichen Produzent*innen interessante, fast vergessene Getreidearten entdecken kannst!
Vielfalt im Kopf und auf dem Teller bedeutet auch ein klein wenig mehr Artenvielfalt auf den Feldern :)
Tipp des Tages:
Du hast Lust, das Thema Getreide (mit Kindern oder Erwachsenen) praktisch zu entdecken? Dann komm' gerne im UBiZ in Oberschleichach vorbei und leih‘ Dir Konrad das Kornrad aus!
Mit dem umgebauten Fahrrad lassen sich Getreidekörner spielerisch zu (Vollkorn-)Mehl mahlen und können anschließend zu leckeren (Stock-)Broten oder Brötchen verarbeitet werden.
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Elena, UBiZ-Praktikantin 2024
