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"Hörst du den Wald?" - Juni

Geräusche sind für uns Menschen nicht immer willkommen und gesund. Das gilt natürlich für alle Lebewesen. Dauerhafter Lärm kann uns krank machen. Denn Lärm hält unseren Körper im Dauerstress-Modus. Dies gilt auch für Tiere. Es gibt immer mehr Forschungsergebnisse zum Thema Lärm und dessen Auswirkungen auf die Tierwelt, bis hin zu unseren schwimmenden Mitbewohnern im Meer. Und auch dort zeigt sich: Lärm erschwert die Orientierung, verhindert Kommunikation und hat massive Folgen für die Meeresbewohner.
Lieder ist es oft gar nicht so einfach, sich den Dauer-Geräuschquellen zu entziehen. Aber vielleicht ist das der falsche Ansatz? Vielleicht sollten wir sie nicht meiden – sondern einfach andere suchen?

Denn ganz anders, als mit dem künstlich erzeugten Lärm, verhält es sich mit Naturgeräuschen. Die Hirnforschung zeigt, dass Geräusche aus unserem natürlich-biologischen Umfeld entspannend wirken, Stress abbauen und die Grundlage für unser Wohlbefinden darstellen. Vogelgezwitscher zum Beispiel führt dazu, dass eine Region in unserem Hirn stimuliert wird, die immer dann aktiv ist, wenn wir uns entspannen und mit den Gedanken auf Wanderschaft gehen.

 

Für mehr Infos dazu: Why Nature Sounds Help You Relax, According to Science | Health.com

Somit liegt die Lösung quasi auf der Hand, oder? Nichts wie raus in die Natur, sich einen „stillen“ (also möglichst von anderen Zweibeinern ungestörten) Ort suchen und hören, genießen, entspannen…

Tja, das klingt einfach, doch viele von uns wissen: Nur still dasitzen und nichts tun, ist gar nicht so einfach. Deshalb haben wir Euch ein paar Ideen zusammengetragen, die Euch beim „Wald hören“ lernen helfen können.

 

Dazu noch ein kurzer Vorschub: Beim Entspannen durch Naturgeräusche geht es in erster Linie nicht darum, die Geräusche benennen zu können. Ihr sollt also nicht hören und bestimmen können „Ah, das war jetzt das Amselmännchen hinten links und das Rotkehlchen Weibchen vorne rechts“. Es geht um das Wahrnehmen, genießen, wirken lassen. Was natürlich nicht heißt, dass ihr danach nicht gerne nach bestimmten, sehr eindrücklichen Tiergeräuschen recherchieren könnt. Dazu aber später noch mehr…

 

Die Geräuschelandkarte

 

Natürlich können wir uns auch mit den Naturgeräuschen beschäftigen, wenn wir mit anderen unterwegs sind. Meist nehmen wir diese dann nicht wahr, da wir uns unterhalten und abgelenkt sind. Doch auf jedem Spaziergang ist Zeit für ein paar Minuten.

Du kennst bestimmt den angenehmen Klang, wenn man zwei zueinander passende Äste aufeinanderschlägt. So könnt ihr natürlich auch mit anderem Naturmaterial Musik und Klänge zaubern. Stöcke aneinander klopfen werden dabei zu Klanghölzern, Steine in einem Gefäß geschwenkt zu Rassel oder Regen, Steine aneinander geklopft zu Regentropfen, gesammelt Wasser gegossen zu einer Quelle. Holz in der Hand klingt anders, als Holz, das am Boden liegt. Ein großer Stein anders, als ein kleiner.

Natürlich unterscheiden sich die Naturgeräusche enorm, je nachdem, zu welcher Tageszeit wir unterwegs sind. Dem anwachsenden Vogelkonzert kann man zum Beispiel sehr früh morgens wunderbar lauschen. Wann hier wer zu hören ist, könnt ihr zum Beispiel hier nachschauen:

Welcher Vogel singt wann? - NABU-Vogeluhr

Nachts wird der Wald ruhiger, die Vögel ruhen und nun ist die Zeit der nachaktiven Tiere gekommen. Diese haben zwar oft besonders angepasste Augen, die auch bei Dunkelheit noch sehr gut sehen können, dennoch orientieren sie sich vor allem auch neben dem Geruchssinn über ihr messerscharfes Gehör. Für diese Tiere ist also auch nachts der Wald gar nicht so ruhig, wie er für uns wirkt.

Das Tier mit einem phänomenalen Gehör unter den Wirbeltieren ist übrigens die Eule. Die Schleiereule ist hier ein perfekter Vertreter, ihr Gehör ist das beste, das jemals erforscht wurde. Man könnte sagen, dass Eulen sprichwörtlich Flöhe husten hören… Durch ein perfektes Zusammenspiel aus den Federn in ihrem Gesicht, dem Schleier und ihren asymmetrisch angeordneten Ohren kann sie in unterschiedliche Richtungen horchen. Das Geräusch ist so lange auf einem Ohr lauter, als auf dem anderen, bis sie den Kopf so positioniert hat, dass es aus beiden Richtungen gleich laut ankommt. So kann sie sich gezielt auf ihre Beute wie Mäuse stoßen. Diese hören Eulen übrigens sogar noch unter einer dicken Schneedecke.

 

Das Sprichwort „Du hörst ja wie ein Luchs!“ kennt ihr bestimmt. Und es ist richtig, für den Luchs ist der Wald auch deutlich lauter, als für uns. Auch er hört das Rascheln einer Maus auf 50 Meter.

Teste doch mal, wie laut ein Geräusch sein muss, damit Du es noch in 50 Metern Entfernung hören kannst. Stell Dich mit einer weiteren Person 50 Meter auseinander und kehre ihr den Rücken zu. Dann werden Geräusche gemach (Rascheln, klopfen, Stimme, etc.). Wann und was genau kannst Du hören?

Den Luchs unterstützen dabei noch die Haarpinsel auf seinen Ohren, die die Schallquellen noch einmal verstärken.

Ein ganz besonderes Tier, wenn es um das Hören bei Nacht geht, ist aber definitiv die Fledermaus. Denn sie sieht nicht, wie viele andere Waldtiere, sehr gut, sondern sieht quasi über ihre Ohren.

Sie stößt zur Orientierung Schallwellen aus, die wieder zu ihre zurückkehren. So „sieht“ sie genau: „Oha, Baum, Haus, Hindernis – oder auch ahja – Beute!“. Die Schallwellen sind für uns nicht hörbar, außer, wir nutzen sogenannte Fledermausdetektoren. Wenn dich das interessiert, besuche doch gerne eine unserer Fledermauswanderungen!

Jede Fledermaus „funkt“ übrigens in ihrer eigenen Frequenz, sonst könnten sich mehrere Fledermäuse an einem Platz natürlich gegenseitig stören. Aber nun zu Euch! Wie sieht es mit Eurem Gehör aus?

Falls ihr genauer wissen möchtet, was für Vogel-Geräusche ihr um Euch hört oder gehört habt, haben wir hier noch folgende Tipps für Euch:



Aktion: Die Geräuschelandkarte

Du brauchst: Eine Decke, evtl. ein Sitzpolster, eine Schreibunterlage, Papier, farbige Stifte.

Begib dich an einen ruhigen Ort im Wald. Breite Deine Decke aus und positioniere Deine Sitzgelegenheit. Setz dich und leg Dir Deine Schreibunterlagen zurecht. Dann schließ die Augen. Atme tief ein und aus, 10 Atemzüge, 20 Atemzüge – solange, wie du brauchst, um merklich zur Ruhe zu kommen. Konzentriere Dich am Anfang auf das Geräusch Deines Atems. Ein und aus. Nach einer Weile richtest Du deine Konzentration auch auf die Welt um Dich herum. Was hörst Du? Zwitschern, Rascheln, Tropfen, Fließen? Lass es auf Dich wirken, setze in Deiner Fantasie dazu eine Bild zusammen. Und nun gib den einzelnen Geräuschen ein Muster. Greif dir ein markantes Geräusch heraus. Überlege Dir, wie Du es zu Papier bringen könntest. Ist es ein Tupfen? Ein Strich? Eine geschlängelte Linie? Welche Farbe gibt’s Du diesem Geräusch? Wie stellst Du die Lautstärke dar? Wo um Dich herum nimmst Du es wahr? Öffne die Augen und beginne, Deine Geräuschelandkarte auf dein Papier zu bringen. Hole dazu ein Geräusch nach dem anderen dazu und beschreibe es auf deiner Karte.

Aktion: „Tontechniker*in und Aufnahmegerät“

Ihr braucht: mindestens zwei Personen und ggf. eine Augenbinde

Ihr kennt bestimmt das Spiel „Fotograf und Kamera“. Dies hier ist eine kleine Abwandlung dazu, mit dem gleichen Ziel. Der/die „Tontechniker*in“ macht sein „Aufnahmegerät“ auf ein spannendes Geräusch aufmerksam und lässt es kurz „aufzeichnen“.

Tut Euch zu zweit zusammen. Ihr spielt in zwei Runden, so ist jede*r von Euch einmal Tontechniker*in und einmal das Aufnahmegerät.
Das „Aufnahmegerät“ schließt die Augen und behält diese über die ganze Zeit geschlossen. Sollte das schwerfallen, kann eine Augenbinde dabei sehr gut helfen.

Der/die Tontechnikerin führt sein Aufnahmegerät durch die Natur, am besten zum Beispiel durch den Wald. Dabei beachtet bitte: langsam und vorsichtig gehen. Das Aufnahmegerät ist wertvoll und wird natürlich sicher mit beiden Händen an den Schultern geführt. Hindernisse, die überwunden werden müssen (Baumstamm, Ast), werden frühzeitig angesagt und das Aufnahmegerät vorsichtig darüber geführt. Richtungsänderungen werden mit sanftem Druck in die jeweilige Richtung angegeben. Insgesamt solltet ihr dabei so wenig wie möglich sprechen. Denn der/die Tontechniker*in konzentriert sich gleichzeitig auf die Umgebung. Wo nehme ich ein interessantes, besonders lautes oder besonderes Geräusch wahr? Sollte sich eins gefunden haben, bleibt ihr stehen. Mit einem leichten Tipp auf den Kopf „startet“ ihr die Aufnahme.

Das Aufnahmegerät konzentriert sich nun ebenfalls auf die Geräusche rings herum. Bleibt etwa eine halbe Minute an diesem Platz. Mit einem weiteren kurzen Tipp „stoppt“ ihr die Aufnahme und signalisiert, dass es nun weiter zum nächsten Platz geht. Nach drei Geräuschen ist der erste Durchgang beendet. Besprecht Euch kurz. Was war das Geräusch, das der/die Tontechniker*in aufnehmen wollte? Was hat das Aufnahmegerät tatsächlich aufgenommen? Und warum?

Jetzt tauscht die Rollen und startet den zweiten Durchgang!

Aktion: Natur-Musik

Lasst Eurer Fantasie freien Lauf! Jeder geht für sich los und sammelt Material und probiert aus, was schön und angenehm klingt und trefft Euch dann wieder am Ausgangspunkt. Zeigt Euch Eure Funde und lasst auch die anderen probieren.

Nun kommt die Aufgabe: komponiert Euer eigenes Lied. Einer beginnt, die anderen stimmen ein. Ihr könnt währenddessen natürlich auch Euer Instrument wechseln. Aber achtet aufeinander und Euch. Was klingt angenehm? Wie laut ist es für Euch angenehm? Ab wann wird es zu laut oder sogar unangenehm und stressig? Sollte man die Steinrassel schütteln oder ist es schöner, sie nur leicht zu schwenken? Probiert aus, gebt Euch auch gegenseitig Rückmeldung und gebt ein entspannendes Natur-Musik-Konzert!

Aktion: Fledermaus & Motte

Ihr braucht: eine Gruppe ab 8 Personen, eine Augenbinde, eine ebene Fläche ohne Hindernisse

Am besten spielt ihr das Spiel natürlich, wenn es draußen schon dunkel ist. Zum einen sieht die Fledermaus und auch die Motte wirklich nichts mehr (trotzdem braucht man natürlich eine Augenbinde), zum anderen sind Störgeräusche aus der Umgebung dann deutlich geringer.

Und so funktioniert es:
Wählt unter Euch eine Fledermaus und eine Motte aus. Fledermäuse fressen nachts Insekten, somit ist der Nachtfalter (also die Motte) die Beute der Fledermaus und die Rollen sind klar. Beide bekommen eine Augenbinde und warten zunächst am Platz. Der Rest von Euch stellt sich ringsherum im Kreis auf, am beste Fingerspitze an Fingerspitze. So könnt ihr verhindern, dass Motte oder Fledermaus aus dem Kreis geraten und sich evtl. verletzen können. Einer von Euch positioniert nun ganz leise, ohne Worte, Fledermaus und Motte neu innerhalb des Kreises, damit sie nicht wissen, wo sich der jeweils andere aufhält. Auf los geht´s los! Die Fledermaus stößt eine „Schallwelle“ aus, die sie im Spiel mit einem „Piep“ hören lässt. Die Motte muss natürlich die Schallwelle zurückschicken, ebenfalls mit einem „Piep“. Die Aufgabe der Fledermaus ist nun, die Motte zu erwischen. Die Motte wiederum versucht natürlich, möglichst nicht gefressen zu werden.

Die Personen im Kreis sind Waldbäume. Das bedeutet, dass sie natürlich mucksmäuschenstill sind. Ihre Aufgabe ist es, Fledermaus oder Motte vorsichtig und sanft wieder in die richtige Richtung zu schieben, wenn diese zu nah an den Kreis geraten. Hat die Fledermaus die Motte gefangen, wechseln zwei neue Mitspieler*innen in den Kreis.

Wenn ihr viele Personen seid und der Kreis groß genug ist, schickt gerne zwei Motten in die Mitte!

 

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