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"Nix wie raus!" Müll im Wald - Mai

"Natur-Müll"

Im Mai ist der Frühling bereits in vollem Gange. Überall blüht es, die Bäume treiben, es riecht herrlich und die Tiere sind alle emsig unterwegs. Nach den langen Wintermonaten sieht die Natur gerade aus, wie „frisch aus dem Ei gepellt“. Aber wie schafft die Natur das eigentlich jedes Jahr? Wohin ist zum Beispiel das viele Laub verschwunden, das im Herbst noch so dicht und dick den Boden bedeckt hat?

Schauen wir uns doch heute mal an, was die Natur und der Wald so mit ihren „Abfällen“ anstellen!

Zunächst muss man festhalten: Die Worte „Abfall“ oder „Müll“ kennt die Natur eigentlich nicht.


Überleg doch mal, was bedeuten die Wörter? Wie würdest Du jemandem erklären, was „Müll“ ist oder wann etwas „Abfall“ ist?

Da die Natur in einem großen Kreislauf denkt und arbeitet, entsteht somit also eigentlich kein Müll. Alles kehrt in diesen Kreislauf zurück und hat bis zuletzt einen großen Nutzen.

Bleiben wir doch mal bei den Blättern. Wie schon gesagt fallen davon im Herbst jede Menge verschiedenster Form und Größe auf den Boden. Gäbe es hierfür keine intelligente Lösung, würde sich das Laub innerhalb weniger Jahre meterdick auftürmen. Das wäre ein großes Problem, der Waldboden zum Beispiel würde darunter förmlich ersticken. Doch das passiert nicht, und wer dafür verantwortlich ist, sehen wir uns jetzt mal genauer an!

Neben der Witterung (Regen, Sonne, Wind, etc.) sind hier ganz schön viele fleißige Helfer am Werk.

Die meisten der fleißigen Laubzerkleinerer kannst Du mit bloßem Auge gar nicht sehen. Aber auch nach den größeren unter ihnen muss man genau Ausschau halten.

Die Hauptarbeit leisten dabei Pilze. Bei Pilzen siehst Du nur einen kleinen Teil, der Oberirdisch wächst. Das Pilzgeflecht unter der Erde, das Mycel, sehen wir nicht. Doch genau das zersetzt die Blätter und macht daraus wieder Erde.

Unterstützt werden die Pilze von vielen, vielen kleinen Lebewesen. Sie fressen die Blätter und verdauen sie. Dazu gehören neben Regenwürmen auch Asseln, Tausendfüßler oder auch Springschwänze und Hornmilben.

Bakterien und winzige Einzeller zersetzen dann auch noch die letzten Reste der Blätter und schaffen so neuen Humus, also nährstoffreichen Boden, auf dem neue Pflanzen wachsen können und den vorhandene Pflanzen brauchen, um gut weiterwachsen zu können.

So kann man im Laub auch gut erkennen, in welchem Abbaustadium das Blatt gerade ist  von „frisch vom Baum gefallen“ bis „fast nur noch das Blattgerippe ist übrig“ kannst Du sehr gut erkennen, wie lange ein Blatt schon am Boden liegt.

Aber nicht nur das Laub gilt es „aufzuräumen“. Auch andere Teile der Bäume verschwinden früher oder später. So fallen, vor allem bei Stürmen oder auch im Winter durch den schweren Schnee, Zweige und ganze Äste auf den Boden oder es fällt sogar der komplette Baum. Sobald ein Baum nicht mehr verwurzelt ist oder Teile davon am Boden liegen, spricht man von „Totholz“. Dies ist enorm wichtig, denn es bietet vielen Lebewesen im Wald Wohnraum und Nahrung. Und ganz nebenbei wird es dadurch, ebenso wie die Blätter, wieder zu Humus abgebaut. Totholz kann bereits liegen, es gibt aber auch stehendes Totholz. Je nachdem, welche Baumart, welcher Standort, welches Alter und ob stehend oder liegend, finden sich oftmals sehr unterschiedliche Arten im jeweiligen Holz.

Natürlich allen voran die Pilze. Manche der Baumpilze unterscheiden sich von den Pilzen, die wir am Boden finden. Aber genauso wie diese sehen wir nur einen kleinen Teil des Pilzes, den Fruchtkörper. Das Myzel wächst für uns meist nicht sichtbar im Baum, oft schon lange im Verborgenen, bevor wir ihn überhaupt wahrnehmen können. Der Fruchtkörper unterscheidet sich aber unter Umständen. Bei einigen Baumpilzen ist dieser nicht weich, sondern richtig holzig-hart.

 

Diese Pilze wachsen auch nicht willkürlich an jedem Baum. Bestimmte Arten entdeckst Du an bestimmten Bäumen. Den „rotrandigen Fichtenproling“ (einfacher „Deutschlandschwammerl“) findest Du, der Name verrät es, an Fichten. Den Zunderschwamm wiederum entdeckst Du häufig an Buchen.

Ein weiteres Überbleibsel, das im Wald entsorgt werden muss, ist das sogenannte „Aas“. Wie alle Lebewesen sterben natürlich auch die Lebewesen im Wald früher oder später. Auf natürliche Art oder auch, weil sie die Nahrung eines anderen Waldtieres geworden sind, das Reste zurückgelassen hat.

Hierfür sind auch wiederum vor allem Insekten zuständig, wie sogenannten Aaskäfer oder auch Fliegen, die ihre Eier in Aas legen und deren Larven dieses dann auffressen. Hier kommen auch die Ameisen ins Spiel. Neben Pflanzenresten, die Ameisen abtransportieren und fressen oder zum Beispiel als Baumaterial verwenden, helfen sie auch, tierische Überreste zu entsorgen, indem sie es auffressen, solange es noch frisch ist. Dabei tragen die kleinen Powerpakete bei Bedarf das 40-fache ihres eigenen Körpergewichts.


Berechne mal – wie schwer müsstest Du tragen, wenn Du mit einer Ameise mithalten möchtest?

Dann haben wir aber natürlich noch die Frage: Wie halten Tiere ihre Behausungen sauber? Wer sorgt bei Familie Vogel für ein vorzeigbares Nest und wer bringt den Müll raus?


Was glaubst Du, wie schaffen es die Vögel, ihr Nest sauber zu halten? Brauchen die das überhaupt? Oder wird Aufräumen und Putzen überbewertet? Hier findest du die Antwort.

Insgesamt siehst Du, dass sich die Natur für ihre Abfälle ein ziemlich cleveres System hat einfallen lassen. Nichts geht verloren, alles hat seinen Sinn und Zweck und dient dem gesamten Ökosystem.

Anders sieht es da leider bei uns Menschen aus… Mit unserem Müll haben wir leider noch keine so guten Lösungen gefunden. Und oft gehen wir noch dazu damit sehr unachtsam um.


Müll im Wald

Bei Besuchen im Wald hinterlassen auch wir als Menschen leider oft unseren Müll. Und der gehört da so überhaupt nicht hin. Von Taschentüchern über Plastikverpackungen zu Zigarettenstummeln, Kaugummis und Flaschen ist alles zu finden. Manchmal aus Versehen aus der Tasche gerutscht, manchmal achtlos weggeworfen, ist den vielen Menschen nicht bewusst, was der Müll in der Natur für Auswirkungen hat. Denn wie auch der Natur“müll“ landet unser Müll im Natur- Kreislauf  - und hat dort verheerende Auswirkungen.

Plastik ist dabei ein sehr großes Problem. Eine Flasche aus Plastik braucht je nach Zustand und der Witterung, der sie ausgesetzt ist, zwischen einigen hundert bis zu einigen Tausend Jahren um zerkleinert zu werden - und leere Plastiktrinkflaschen hat bestimmte jeder von Euch draußen schon mal gefunden. Selbst dann ist das Plastik nicht abgebaut, sondern zu Mikro- und Mycroplastik geworden.

 

Unter Mikroplastik versteht man Plastik, das kleiner als 5mm ist. Das ist bereits heute ein enormes Problem. Es findet sich nahezu überall. Im Boden, im Wasser, in der Luft und sogar in der Nahrungskette – und somit im oben beschriebenen Kreislauf. Mikroplastik ist winzig klein, aber ein riesiges Problem. Denn mit dem Plastik nehmen Lebewesen auch Schadstoffe auf, die sich erheblich auf deren Gesundheit auswirken können. Doch auch größere Plastikteile sind enorm schädlich. Tiere fressen sie und verenden oft daran. In Tüten oder Schnüren können sie sich so verfangen, dass sie sich schwer verletzen und/oder ebenfalls über kurz oder lang verhungern und sterben.
Also Plastik raus aus der Natur, wo immer ihr es seht!

Aber auch die häufig achtlos entsorgten Zigarettenstummel können einen großen Schaden anrichten. Neben Waldbränden, die sie in den trockenen Monaten schneller auslösen können, als man schauen kann, sind in ihnen unzählige schädliche und giftige Stoffe enthalten. Diese gelangen nach dem Wegwerfen in die Böden und ins Wasser. Diese giftigen Stoffe sind beispielsweise Arsen, Chrom, Blei und Nikotin. Ein Zigarettenstummel auf einen Liter Wasser reicht beispielsweise bereits aus um große Fische zu töten Der Filter der Zigarette ist ebenfalls alles andere als harmlos, da er aus Celluloseacetat, einem Kunststoff, besteht. Dieser hat eine Zersetzungszeit von vielen Jahrzehnten und bleibt, wie schon erklärt, im Naturkreislauf.


Weist also gerne Leute, die Zigarettenstummel draußen wegwerfen, mal auf das Problem hin. Oft ist es diesen tatsächlich nicht bewusst.

Kaugummis lassen sich zwar in 3-5 Jahren biologisch abbauen, ein gekauter Kaugummi ist aber ein großes Risiko für Tiere. Ähnlich wie Plastikteile gelangt er in den Magen und kann dazu führen, dass der Magen des Tiers verstopft wird. Es verhungert über kurz oder lang.

Glas hört sich dagegen doch eigentlich dann fast unproblematisch an, oder? Das ist ja quasi nur umgeformter Sand, oder? Also fast schon natürlich…. Falsch gedacht. Gerade in den immer trockener werdenden Sommern wird Glas zu einem gefürchteten Gegner. Scheint Sonnenlicht durch das Glas, wird das Licht gebündelt und somit mehr Energie in Form von Wärme frei. Passiert das auf trockenem Boden, auf Gras oder Laub, kann es sich leicht entzünden und einen Waldbrand auslösen. Zudem kann Glas nicht biologisch abgebaut werden, es verwittert nur. Irgendwann wird aus jeder Flasche ein Haufen an Scherben. Dass sich die Waldbewohner daran genauso unschön verletzen können wie wir, braucht man vermutlich nicht weiter zu erklären.


Schnapp dir (eine/n Freund/in oder Familie) Handschuhe und eine Tüte und mach dich selbst auf zum Müllsammeln. Du glaubst gar nicht, welchen Gefallen du damit dem Wald tust. Wenn du genau hinhörst, kannst du ihn vielleicht sogar richtig aufatmen hören.

Und ihr könntet dabei einen kleinen Wettbewerb starten. Wenn ihr bereits Müll zusammengesammelt habt, versucht doch mal einzuschätzen, welches Produkt wie lange zum Verwittern braucht. Legt die Dinge in eine Reihenfolge, von „am schnellsten verwittert“ bis „dauert am längsten zu verwittern“.

Macht ein Foto und vergleicht es zu Hause mit unserer Lösungsliste. Wer von Euch hat am besten geraten?
Am besten sortiert ihr den Müll zu Hause dann natürlich auch so, wie er korrekt entsorgt werden sollte.



Aktion: Bodenforscher unterwegs!

So, schnapp Dir eine Kiste, ein Sieb, eine Becherlupe oder alternativ ein durchsichtiges Gefäß mit Deckel und eine Lupe und unsere Bestimmungshilfe und dann geht´s los auf Bodenforschertour in den Wald. Holt auch Laub in Eure Kiste und beginnt damit, das Laub zu untersuchen. Zunächst schaut mal, wie sich die Blätter unterscheiden. Wurde schon viel daran gefressen? Oder noch kaum? Versuche, die Blätter in eine Reihenfolge zu legen!

Nun könnt ihr auch Euer Sieb benutzen und schauen, was so durch die Löcher fällt, wenn ihr vorsichtig rüttelt. Bestimmt werdet ihr jede Menge der kleinen, fleißigen Arbeiter finden können. Wenn ihr genauer wissen wollt, wen ihr da vor Euch habt, hilft euch die Bestimmungshilfe.

ABER ACHTUNG! Natürlich wollen wir die Lebewesen nicht verletzen. Folgende Regeln sind dabei also sehr wichtig:

  • Geht ganz vorsichtig mit den Tieren um. Nicht quetschen oder drücken. Setzt sie vorsichtig in die Becherlupe und haltet sie nicht unnötig lange in der Hand.
  • Behaltet das Tier nicht zu lange im Gefäß. Natürlich dürft ihr Euch das Tier genau ansehen und beobachten, Beine zählen oder schauen, ob ihr Mundwerkzeuge erkennen könnt usw. Aber dann denkt daran, die Tiere auch zügig wieder in die Freiheit zu entlassen.
  • Die Tiere, die ihr gefunden habt, leben im Dunkeln, mögen es feucht und kühl. Behaltet sie deshalb auch im Schatten, stellt die Gefäße nicht ins pralle Sonnenlicht.
  • Natürlich werden alle gefundenen Tiere wieder an Ort und Stelle entlassen, um dort weiter ihre Arbeit tun zu können.

 

Aktion: Pilzforscher unterwegs!

Und wieder geht es raus in den Wald, dieses Mal mit Adleraugen, Lupe und ggf. einem Spiegel. Versuche, so viele verschiedene Baumpilze und Pilze an Bäumen zu entdecken, wie möglich. Findest Du auch den Fichtenporling oder den Zunderschwamm? Entdeckst Du bestimmte Pilze immer am gleichen Baum oder im gleichen Bereich des Baumes? Kannst Du etwas aus der Wuchsrichtung der Pilze schließen? (Antwort siehe unten) Entdeckst Du einen bereits stärker verwitterten Baumstamm, an dem zum Beispiel der Zunderschwamm wächst, schau doch mal, ob Du nicht vielleicht sogar das Myzel entdecken kannst. Es sieht ein bisschen aus wie ganz dünne Lederlappen. Auch bei Pilzen lohnt sich oft der Einsatz der Lupe, dabei entdeckt man viele Einzelheiten, die einem Sonst entgehen würden. Möchtest Du Dir mal die Unterseite genauer ansehen, benutze den Spiegel. So geht der Pilz auf keinen Fall kaputt und Du musst Dich dafür nicht verrenken. Oft man kann so auch noch Tiere entdecken, die ebenfalls im und vom Pilz leben.

Antwort auf die Frage

Kannst Du etwas aus der Wuchsrichtung der Pilze schließen?

Pilze wie Zunderschwamm oder der rotrandige Fichtenporling bilden auf ihrer Unterseite ihre Sporen, die sie zur Vermehrung in den Wald entlassen. Dafür wäre es natürlich ungünstig, wenn diese nass werden würden. Sie wachsen also immer mit dieser Seite nach unten. Fällt ein Baum, an dem bereits Fruchtkörper zu sehen sind, um, wachsen die neuen Fruchtkörper wieder mit dieser Seite nach unten. Somit findest Du an liegendem Totholz meist Fruchtkörper, die in unterschiedliche Richtungen zeigen.

Antwort auf die Frage

Was glaubst Du, wie schaffen es die Vögel, ihr Nest sauber zu halten?

Tatsächlich entsorgen Vögel den Kot, der bei den kleinen Piepmätzen anfällt, direkt aus dem Nest. Neben hygienischen Gründen – es könnten sonst Krankheiten entstehen – hat das auch den Effekt, dass das Nest nicht so stark riecht. Und somit ist es besser vor Fressfeinden getarnt. Die kleinen Vögel signalisieren kurz nach dem Fressen „ich muss mal“. In den ersten Lebenswochen erzeugen sie noch keinen Vogelkot, wie wir ihn kennen, sondern richtig kleine Säcke, in denen sich der Kot befindet, ein mitgelieferter Müllsack sozusagen (auch Fäkalsack genannt). Der Elternvogel setzt sich wartend vors Nest, nimmt diesen Sack auf und entsorgt ihn direkt. Somit bleibt das Nest sauber.

Wenn Du einen bewohnten Nistkasten zu Hause hast oder ein Nest in Eurem Garten entdeckt hast, beobachte doch mal das Ein- und Ausfliegen der Elterntiere. Hat es beim Abflug einen weißen Beutel dabei? Dann beobachtest Du gerade das Müllentsorgen!

Lösung "Müllabbauzeiten bestimmen"

Müllart Dauer    
Taschentücher 1 - 5 Jahre    
Kaugummi 3 - 5 Jahre    
Zigarettenstummel 1 - 5 Jahre (der Filter ist nicht biologisch abbaubar)    
Tetrapack 50 - 100 Jahre (nicht biologisch abbaubar)    
Blechdose 50 - 500 Jahre (nicht biologisch abbaubar)    
Plastik 100 - 5.000 Jahre (nicht biologisch abbaubar)    
Glas Mehr als 4.000 Jahre (nicht biologisch abbaubar)    

 

Ihr seht schon, einiges ist überhaupt nicht biologisch abbaubar. Es gehört somit in einen Recyclingkreislauf, aber nicht in die Natur.

UmweltBildungsZentrum Oberschleichach

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